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| Der vierte Zeitarbeitskongress in Köln - Osteuropa und Weiterbildung bestimmten die Richtung |
| Geschrieben von: Roland |
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Nach der überwundenen Wirtschaftskrise im Jahr 2010 ist die Zahl der Leiharbeiter wieder sprunghaft angestiegen. Michel Mattoug, Professor am Steinbeis-Transferzentrum für internationale Strategien in Freiburg, betonte dazu in einem Interview, dass wenn man heute Dienstleistungen entwickle, es gleichzeitig darum gehe, die europäische Zeitarbeit zu entwickeln. Vor dem Hintergrund der im Dezember 2011 in Kraft tretenden EU-Richtlinie zur Zeitarbeit sei das Problem der Arbeitnehmerüberlassung eine große Herausforderung. Dabei gebe es kaum eingreifende Erneuerungen in Deutschland, betonte Burkhard Boemke, Professor der Universität Leipzig, auf dem Kölner Kongress. In Deutschland wäre das wichtigste Prinzip der gleichen Entlohnung für die Stammbelegschaft und der Leiharbeiter erfüllt. Als wesentliche Gesichtspunkte sehe er noch den Wegfall aller Begrenzungen in einigen Zweigen der Beschäftigung und die reibungslose Integration der Leiharbeiter in die betrieblichen Einrichtungen des Arbeitgebers.
Die Öffnung der Grenzen für die Leiharbeiter auf den europäischen Markt ist, verglichen mit den anderen Punkten, ein wesentlicheres Problem, das es zu lösen gilt. Die Beschäftigung von Zeitarbeitern ist zwar ein boomender Wirtschaftszweig und hat im Vergleich zu 2009 um rund 39 Prozent zugelegt, jedoch muss man sich darauf einstellen, dass vor allem Leiharbeiter aus Osteuropa in den Markt drängen werden. Das könnte die bisher guten Erfahrungen und Resultate auf den Kopf stellen, denn ein Zustrom von minderqualifizierten Arbeitnehmern, die in ihren Heimatländern zu Billiglöhnen eingestellt werden und dann nach Deutschland verliehen werden, könnte eine Gefahr darstellen, denn damit würden die Tarifverträge in Deutschland unterlaufen. Für ungelernte oder angelernte Leiharbeiter, die zurzeit ein Drittel aller Arbeitnehmer der Branche darstellen, könnten der Wettbewerb und der Preisdruck das Aus bedeuten. Nicht zuletzt deswegen steht das Thema Mindestlohn wieder ganz oben auf der Agenda der Politiker. Bleibt die Frage, wie dem Bedarf nach Fachkräften und Spezialisten in der Zeitarbeitsbranche abgeholfen werden kann. Sollte es ein Glücksfall sein, dass Menschen aus Osteuropa hier ihre Chance finden können? Und wäre es nicht denkbar, dass Zeitarbeitsfirmen aus Deutschland gleich direkt in Polen oder Rumänien Filialen aufbauen, um neue Mitarbeiter zu rekrutieren? Christian Schmalen, Referent der Geschäftsführung und Personalberater IT bei der Gees & Partner GmbH mit Hauptsitz in Düsseldorf, könne sich das als eine mögliche Option vorstellen. Das Unternehmen hat in Deutschland insgesamt 14 Standorte und ist spezialisiert auf kaufmännische und technische Berufe sowie auf die Vermittlung von IT-Fachkräften. Die Firma bietet neben der Überlassung und Vermittlung durch ihre Tochter Gess Consulting Interim- Management die Vermittlung von IT-Freelancern in bestimmte Projekte. So kommen monatlich ca. 200 Fachkräfte, vor allem junge Fachinformatiker und spezialisierte Entwickler sowie Ingenieure in den Genuss, Berufserfahrungen zu sammeln. Das Thema Mindestlohn zeigt sich bei Gess nicht als Problem, denn das Unternehmen ist Mitglied des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen. Damit haben die Leiharbeiter das Recht auf einen Tariflohn, der in der Regel sogar noch höher liegt. Ein größeres Problem sei es, so Schmalen, qualifizierte Fachkräfte zu finden, denn hier gebe es einen deutlichen Mangel. Um die passenden Arbeitskräfte zu finden, werden bei Gess Anzeigen geschaltet oder die Datenbanken durchforstet. Auch soziale Netzwerke spielen bei der Auswahl eine große Rolle. Kleinere Unternehmen oder solche, die sich auf einen bestimmten Bereich spezialisiert haben, dürften bei der Suche nach Kräften aus Osteuropa ebenfalls etwas Passendes finden, wobei das sicher keine Massenerscheinung werde, wie der Personalberater betonte. Das größte Hindernis sei es aber, betonte Schmalen, die Sprachkenntnisse der Arbeitsnehmer zu akzeptieren, denn neben Englisch sind gute Deutschkenntnisse ebenfalls nötig, die aber oftmals nicht ausreichen würden. Wäre es angesichts dieser Voraussetzungen nicht einfacher, mithilfe von Weiterbildung qualifizierte Mitarbeiter zu finden? Und bleibt es nicht auch Sache der Zeitarbeitsfirmen, ihre Mitarbeiter auf den neuesten Stand zu bringen? Dazu gibt es verschiedenen Meinungen auf dem Kölner Zeitarbeitskongress. Anne Rosner, Landesbeauftrage NRW des Dachverbandes IGZ, betonte, dass man dazu spezielles Fachwissen und die richtigen Methoden aufbauen müsse und weiterhin, dass dann die Entleiher dafür bezahlen müssten. Aber wären sie dazu bereit? Bei Fachkräften, die dringend benötigt werden und langfristig in der Firma bleiben, würde das Unternehmen sicher die Kosten für eine Weiterbildung übernehmen, merkte Schmalen an. Bei kurzfristigen Einsätzen sei das aber nicht der Fall. |